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ÖPUL & Naturbeobachtung

Neben der Tier- und Pflanzenwelt richtet sich auch die traditionelle Wiesenbewirtschaftung der Landwirte seit jeher in hohem Maße nach dem Kalender, den die Natur schreibt. Sie ist seit jeher eng an die Jahr für Jahr unterschiedliche Naturentwicklung gekoppelt und bildet ein Paradebeispiel für angewandte Phänologie, die auch im modernen Vertragsnaturschutz mehr und mehr Fuß fasst.

Was, bitte, ist Vertragsnaturschutz ?

vertragsnaturschutzDie Erhaltung und Verbesserung der Salzburger Natur- und Kulturlandschaft ist ohne die vielfältigen Leistungen der Landwirte undenkbar. Im Zuge des vertraglichen Naturschutzes erfolgt eine partnerschaftliche Zusammenarbeit des Naturschutzes mit den Bewirtschaftern landwirtschaftlicher Flächen. Die Landwirte, die an den Maßnahmen des Vertragsnaturschutzes teilnehmen, können für ökologische Leistungen unter Einhaltung bestimmter Auflagen Abgeltungen für Ihre Pflege- und Erhaltungsleistungen beziehen und sorgen so weiterhin für die Erhaltung von wesentlichen ökologischen Ressourcen wie artenreichen Wiesen und Weide in Salzburg. Die Prämien sind, soweit dies möglich ist, über das Österreichische Umweltprogramm (ÖPUL) kofinanziert.



Naturschutzplan und Naturkalender

wieseDie derzeit in der Vertragsnaturschutzpraxis übliche Vergabe von Mähzeitpunkten für ökologisch wertvolle Wiesentypen erfolgt auf Basis von konkreten Datumsauflagen. Hinter den starr vorgegebenen Schnittterminen ist jedoch kein Idealzustand. Die Problematik besteht v.a. darin, dass Kriterien wie Höhenlage oder klein- bzw. regionalklimatische Unterschiede oftmals nicht im erforderlichen Ausmaß berücksichtigt werden können. So stimmt beispielsweise die Schnittzeitauflage per konkretem Datum in einem Durchschnittsjahr und in mittleren Höhenlagen gut mit der gewünschten Vegetationsentwicklung von Wiesen überein, für Tief- bzw, Gunstlagen sowie deutlich höher gelegene Flächen ist der Pflegetermin sowohl hinsichtlich einer günstigen Verwertbarkeit des Mähgutes für die Landwirte als auch der Erreichung von naturschutzfachlichen Zielsetzungen in vielen Fällen entweder zu spät oder zu früh angesiedelt.

Im Rahmen einer Pilotphase besteht seit kurzem für Betriebe, die an der Maßnahme "Naturschutzplan" teilnehmen, die Möglichkeit, Auflagen im Zusammenhang mit Mahdzeitpunkten nach phänologischen Gesichtspunkten zu gestalten. Durch die Festlegung von Mähzeitpunkten nach Blüh- oder Fruchtphasen heimischer Pflanzenarten soll dem jährlichen Naturkalender zukünftig besser Rechnung getragen. Das bedeutet für die Landwirte mehr Flexibilität bei den Mahdzeitpunkten und mitunter Verbesserungen des Erntegutes und für die charakteristischen Wiesenarten mehr Chance zum Fortbestand.



Pflege wertvoller Flächen nach phänologischen Gesichtspunkten

wieseDurch die Festlegung von Mähzeitpunkten nach bestimmten phänologischen Entwicklungsstufen (sog. Phänostufen) wie der Vollblüte oder der beginnenden Fruchtreife ausgewählter heimischer Pflanzenarten soll der jährlich variierenden Vegetationsentwicklung sowie der höhenzonalen und klimatischen Differenziertheit zukünftig besser Rechnung getragen werden. Dies erfolgt anhand von ausgewählten Pflanzenarten (sog. Indikatorarten), von denen Einzelexemplare oder ein geeigneter Pflanzenbestand im Rahmen der Kartierung in einer ersten Stufe ausgesucht wird. Anschließend wird je nach Wiesentyp eine bestimmte Entwicklungsphase der Beobachtungspflanze, wie etwa die Vollblüte des Schwarzen Holunders, ausgewählt, und der Eintritt dieser Phase als frühester Zeitpunkt für die zukünftige Pflege vereinbart. Statt eines fixen und für die Vertragslaufzeit gleich bleibenden Pflegedatums soll für die Bewirtschafter somit die Möglichkeit geschaffen werden, den Mahdzeitpunkt Jahr für Jahr an die jeweilige Vegetationsentwicklung anzupassen.



Ihre Beobachtungen und Meldungen helfen auch den Landwirten

Damit das engagierte Programm auch wirklich gut läuft, braucht es eine hohe Kenntnis über die Entwicklungsabläufe in der Natur, also über den Naturkalender, bzw. über die Phänologie der Indikatorarten und Wiesenpflanzen. Hier kommen auch die Beobachter des Naturbegleiters ins Spiel. Mit den auf diesen Webseiten eifrig zusammengetragenen Beobachtungen und Meldungen wird nicht nur der Einzug des Naturjahres alsbald ein schönes Stück klarer, es wird indirekt und faktisch im Nebenbei auch ein Beitrag für das gemeinsame und dem naturverlauf stärker angepasste Programm zwischen Naturschutz und Landwirtschaft geleistet.

Wollen Sie mehr Hintergründe zum Thema erfahren ?

Einen ausführlichen Artikel zum Thema "Pflege ökologisch wertvoller Flächen nach der Blüte heimischer Pflanzen" finden Sie in der Publikation: Naturland Salzburg, Heft 1/2005 bzw. unter folgendem Link:
http://www.salzburg.gv.at/vorwort+aktuelles+fachbeitr-1-05.pdf

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