Um Forscher-Lorbeeren zu ernten, braucht man keine neue Art in den Tiefen des Amazonas zu entdecken. Wer Freude an der Naturbeobachtung hat, der kann als „Phänologe“ relativ leicht zu Erkenntnissen kommen, die noch kein Wissenschaftler je beschrieben hat. Und dabei ist es kinderleicht und ein Studium braucht man dafür mit Sicherheit nicht zu absolvieren. Was man benötigt, ist ein wenig Artenkenntnis, Beharrlichkeit und einen halbwegs funktionierenden Sehapparat. Eines können wir Ihnen versichern: Einmal mit der vergleichenden Naturbeobachtung angefangen, lässt sie einen nicht mehr los!
Eine Naturbeobachtung wird dann zu einer phänologischen Beobachtung, wenn der Entwicklungszustand und das Datum mitgespeichert wird. Trifft man z.B. auf eine blühende Pflanze, kann der phänologische Zustand, die sog. „Phänostufe“, z.B. von der Stufe des Blühbeginns über die Vollblüte bis zur abgehenden Blüte heißen. Egal ob man Gehölze, Kräuter oder Gräser beobachtet, sollte man sich bei der Definition von phänologischen Stufen an internationale Standards anlehnen. Wichtige Phänostufen für Gräser sind nachfolgend definiert und mit Abbildungen ergänzt - Tipps inklusive.
Welche Phänostufen von Gräsern sind besonders wichtig ?
Eines vorweg: natürlich sind alle phänologischen Beobachtungen von Gräsern wichtig. Da man seine Augen jedoch nicht immer und überall haben kann, nachfolgend eine Auswahl wichtiger Phänostufen und ihre Definition, wie sie auch im gegenständlichen Projekt verwendet wurden. Für die Definition empfiehlt sich eine Anlehnung an den sog. BBCH-Code (Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Bundessortenamt und CHemische Industrie, vgl. MEIER 2001).
Wenn Sie in der Natur auf die Phänostufen vom Beginn des Ährenschiebens / Rispenschiebens achten und die „goldene Regel“ beachten, haben sie wesentliche Entwicklungsschritte von Gräsern dokumentiert und können wichtige Beiträge für Beobachternetzwerke und wissenschaftliche Auswertungen leisten.
Die „goldene Regel“: Phänologische Beobachtungen von Gräsern sollten erst dann notiert werden, wenn eine Phänostufe wie der Beginn der Blüte an zahlreichen Individuen eines Bestandes erkannt wird. Ansonsten besteht die Gefahr, dass man einen „Ausreißer“ erwischt und der eigentliche phänologische Zustand einer Wiese oder eines Gräserbestandes nicht richtig erfasst wird.
Tipp: Achten Sie auf die Witterung. Die Blüte der Gräser kann nur bei trockener Witterung zweifelsfrei dokumentiert werden, da Gräser dazu neigen, bei feuchter Witterung ihre Staubgefäße einzuziehen und auch die Hüll- und Deckspelzen der Ährchen geschlossen halten.
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Phänostufen Blüte
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Blühbeginn (BBCH 61)
Die ersten Staubbeutel (=Antheren) hängen aus der Blüte heraus und stäuben. Ob schon Pollen abgegeben werden, kann durch Schnipp mit dem Finger leicht eruiert werden. Hier der Blühbeginn z.B. beim Wiesen-Knäuelgras:
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Vollblüte (BBCH 65)
50% der Staubgefäße sind reif. Somit sind etwa die Hälfte aller Ährchen gespreizt (besonders gut beim Glatt- und Goldhafer bzw. Wiesen-Knäuelgras und Honiggras zu erkennen; nicht so gut erkennbar bei der Aufrechten Trespe und dem Wiesen-Schwingel)
Was bei der Gräserblüte noch wichtig ist
Oftmals ist es im Gelände gar nicht leicht festzustellen, ob die Gräser schon geblüht haben oder noch vor der Blüte stehen. Hierbei helfen eigentlich nur etwas Erfahrung und spitze Fingernägel.
Wenn die Hüll- und Deckspelzen der Ährchen geschlossen sind, und wie auf dem nebenstehenden Bild wenige eingetrocknete Staubbeutel zu sehen sind, ist es gar nicht leicht zu erkennen, ob das Gras schon geblüht hat oder nicht.
Tipp: Greifen Sie sich mehrere Ährchen und öffnen Sie diese vorsichtig unter Benutzung Ihrer Fingernägel. Sind die Staubbeutel noch zu sehen, kann man für gewöhnlich davon ausgehen, dass die Blüte noch bevorsteht. Kommt beim Öffnen der Ährchen bereits "Milchsaft" zum Vorschein, ist die Blüte in der Regel bereits vorbei.
Wieviel Zeit vergeht zwischen dem Eintritt der einzelnen Phänostufen ?
Die Zeitintervalle können je nach Grasart, Standort und Witterungsverlauf mehr oder weniger lang andauern. Als Ergebnis hat für die Arten Wiesen-Knäuelgras, Glatthafer, Wiesen-Goldhafer und Wiesen-Schwingel im Jahr 2006 folgendes herauskristallisiert:
Mittelwerte zu Zeitintervallen zwischen beobachteten Phänostufen
Eine Ausnahme macht die Aufrechte Trespe. Sie erreicht als erste der beobachteten Grasarten die Phänostufe des Ährenschiebens / Rispenschiebens. Dann verharrt sie mehr als doppelt so lange wie alle übrigen Grasarten in den Stadien des Ährenschiebens / Rispenschiebens. Während alle anderen Arten eineinhalb bis zwei Wochen in dieser Stufe verbleiben, benötigt die Aufrechte Trespe mehr als drei Wochen, um die Blühbereitschaft zu erlangen, und mit der Blüte zu beginnen. Zur Vollblüte hin verschleifen sich diese Unterschiede mehr und mehr. So gelangen alle 6 Arten inklusive der Aufrechten Trespe mehr oder weniger zur selben Zeit zur Vollblüte.
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Was soll ich alles zu einer Beobachtung dokumentieren?
Grasart:
z.B. Wiesen-Knäuelgras, ob man wissenschaftliche oder deutsche Namen einträgt, ist Geschmacksache, auch Abkürzungen sind dienlich.
Phänostufe und Datum:
z.B. Phänostufe "Vollblüte" sowie Tag, Monat und Jahr der Beobachtung
Lage des Beobachtungsstandortes:
Zumindest Einträge in einer Karte sind sinnvoll, um den Standort wieder leicht auffinden zu können. Koordinaten können aus der Karte oder dem GPS ausgelesen werden.
Seehöhe, Exposition, Anmerkungen:
Notieren Sie, wann immer möglich, Seehöhe und Exposition der Aufnahmefläche (z.B. Süden). Anmerkungen sollten in einer extra Spalte eingetragen werden.
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Welche Ausrüstung sollte ich bei mir haben?
Alles was Sie brauchen, passt in die Hosentasche oder in einen kleinen Rucksack. Schreibblock, Stift und Karte sind die klassischen Utensilien eines Phänologen. Sollten Unklarheiten bezüglich der angetroffenen Artzugehörigkeit auftauchen, hilft ein handliches Bestimmungsbuch. Bewährt hat sich natürlich der Einsatz von GPS Geräten zur Standortsbestimmung, ein Punkteintrag in einer kopierten Wanderkarte mit Angabe des Codes zur Beobachtungsstation reicht für´s erste aber auch aus. Wenn Sie eine Digitalkamera verwenden, können Sie ihre Beobachtungen nicht nur bildlich festhalten, sondern auch elegant am Computer verwalten oder im Inernet herzeigen.
Tipp: Sollten Sie an die Anschaffung eines GPS Gerätes denken, empfehlen wir nachfolgendes Buch. Hier finden sowohl Neueinsteiger als auch Kenner der Materie jede Menge gut aufbereiteter Zusammenhänge und Empfehlungen für Kauf und Anwendung.
http://www.bruckmann-verlag.de/programm.asp?path=detail&prodid=4252&navCatID=2683
Zur Wahl einer Digitalkamera eignen sich vor allem kompakte Modelle "für die Hosentasche" mit guter Makrofunktion. Im besten Fall sollten sie wasser- und staubresident sein.
Tipp: Die Verwendung von Bleistift anstatt Kugelschreiber hat sich im Gelände bewährt. Vor allem bei feuchten Witterungsbedingungen werden sie erkennen, warum ! Ein ultimatives Schreibwerkzeug finden sie z.B. unter http://www.naturbegleiter.at/tipps.php.
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