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Phänologische Beobachtung und Dokumentation von Gräsern

Um Forscher-Lorbeeren zu ernten, braucht man keine neue Art in den Tiefen des Amazonas zu entdecken. Wer Freude an der Naturbeobachtung hat, der kann als „Phänologe“ relativ leicht zu Erkenntnissen kommen, die noch kein Wissenschaftler je beschrieben hat. Und dabei ist es kinderleicht und ein Studium braucht man dafür mit Sicherheit nicht zu absolvieren. Was man benötigt, ist ein wenig Artenkenntnis, Beharrlichkeit und einen halbwegs funktionierenden Sehapparat. Eines können wir Ihnen versichern: Einmal mit der vergleichenden Naturbeobachtung angefangen, lässt sie einen nicht mehr los!

Phänologische KartenSo sehen glückliche Phänologen nach einer etwas außergewöhnlichen Beobachtung aus (ausnahmsweise kein Gras, sondern eine Nachblüte des Roten Hartriegel Mitte August, wie sie vereinzelt immer wieder vorkommt)


Beobachtung von Grasarten – eine kleine Herausforderung

Bildleiste Wildgraeser
Eine Artengruppe der etwas „höheren Schule“ sind die Gräser. Zumal ist es am Anfang gar nicht so leicht, die Arten richtig zu bestimmen. Nachdem man sich etwas eingelernt hat (ein wenig in Bestimmungsbüchern schmökern), oder sich von anderen Naturbeobachtern z.B. im Naturbegleiter-Forum helfen lässt, stellt die Unterscheidung der meisten Arten jedoch keine große Hürde mehr dar. Was eine phänologische Sichtung ausmacht und was bei der Beobachtung von Austrieb und Blüte wichtig ist, soll durch die nachfolgenden Ausführungen etwas bildhafter werden.

Was macht eine Beobachtung zu einer phänologischen Beobachtung ?

Eine Naturbeobachtung wird dann zu einer phänologischen Beobachtung, wenn der Entwicklungszustand und das Datum mitgespeichert wird. Trifft man z.B. auf eine blühende Pflanze, kann der phänologische Zustand, die sog. „Phänostufe“, z.B. von der Stufe des Blühbeginns über die Vollblüte bis zur abgehenden Blüte heißen. Egal ob man Gehölze, Kräuter oder Gräser beobachtet, sollte man sich bei der Definition von phänologischen Stufen an internationale Standards anlehnen. Wichtige Phänostufen für Gräser sind nachfolgend definiert und mit Abbildungen ergänzt - Tipps inklusive.

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Welche Phänostufen von Gräsern sind besonders wichtig ?

Eines vorweg: natürlich sind alle phänologischen Beobachtungen von Gräsern wichtig. Da man seine Augen jedoch nicht immer und überall haben kann, nachfolgend eine Auswahl wichtiger Phänostufen und ihre Definition, wie sie auch im gegenständlichen Projekt verwendet wurden. Für die Definition empfiehlt sich eine Anlehnung an den sog. BBCH-Code (Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Bundessortenamt und CHemische Industrie, vgl. MEIER 2001).

Wenn Sie in der Natur auf die Phänostufen vom Beginn des Ährenschiebens / Rispenschiebens achten und die „goldene Regel“ beachten, haben sie wesentliche Entwicklungsschritte von Gräsern dokumentiert und können wichtige Beiträge für Beobachternetzwerke und wissenschaftliche Auswertungen leisten.

Die „goldene Regel“: Phänologische Beobachtungen von Gräsern sollten erst dann notiert werden, wenn eine Phänostufe wie der Beginn der Blüte an zahlreichen Individuen eines Bestandes erkannt wird. Ansonsten besteht die Gefahr, dass man einen „Ausreißer“ erwischt und der eigentliche phänologische Zustand einer Wiese oder eines Gräserbestandes nicht richtig erfasst wird.

Tipp: Achten Sie auf die Witterung. Die Blüte der Gräser kann nur bei trockener Witterung zweifelsfrei dokumentiert werden, da Gräser dazu neigen, bei feuchter Witterung ihre Staubgefäße einzuziehen und auch die Hüll- und Deckspelzen der Ährchen geschlossen halten.

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Phänostufen Ährenschieben / Rispenschieben

  • Beginn des Ährenschiebens / Rispenschiebens (BBCH 51): Die Spitze der Ähre bzw. Rispe tritt heraus oder drängt seitlich aus der Blattscheide. Uns so sieht der Zustand beim Glatthafer (links) und beim Wiesen-Knäuelgras (rechts) aus:

    Glatthafer   Wiesen-Knäuelgras

  • Mitte des Ährenschiebens / Rispenschiebens (BBCH 55): Nach und nach tritt die Rispe weiter heraus. Wenn etwa die Hälfte der Ähre bzw. Rispe sichtbar ist, die Basis aber noch in der Blattscheide verborgen ist, sollte man seine Notiz zu dieser Phänostufe machen. Und so sieht der Zustand beim Wiesen-Goldhafer (links) und beim Wiesen-Knäuelgras (rechts) aus:

    Wiesen-Goldhafer   Wiesen-Knäuelgras

  • Ende des Ährenschiebens / Rispenschiebens (BBCH 59): Die Ähre bzw. Rispe ist vollständig sichtbar und zur Gänze aus der Blattscheide herausgetreten. Nachfolgende der Zustand beim Glatthafer (links) und beim Wiesen-Knäuelgras (rechts):

    Glatthafer   Wiesen-Knäuelgras

Was beim Ährenschieben / Rispenschieben noch wichtig ist

Tipp: Nehmen Sie die Rispe an der Spitze mit zwei Fingern, und ziehen sie vorsichtig seitlich richtig Boden. Sie werden sehen, dass nicht selten noch Teile der Rispe in der Blattscheide verborgen sind. Dieser kleine Trick kann dabei helfen, seine Einschätzung zum Status des Rispenschiebens besser abzusichern.

Tipp: Gräser auf Straßenböschungen oder in und um Siedlungen können aufgrund von Rückstrahlungen der Asphaltdecke oder Gebäudefronten durchaus viele Tage früher mit dem Rispenschieben oder der Blüte beginnen als Gräser im Freiland. Natürlich sind solche Phänomene auch interessant, beim Notieren dieser Beobachtungen sollte jedoch in jedem Fall eine Anmerkung dazu verfasst werden (z.B. "am Straßenrand"). Das kann für eine Auswertung von Beobachtungen sehr wichtig sein. Gräserbestände auf bachnahen Flächen können im Gegensatz dazu deutlich später mit ihrer phänologischen Entwicklung beginnen, als Gräser und krautige Pflanzen in gewässerferneren Bereichen. Auch hier empfiehlt es sich, kurze Anmerkungen über den Standort mitzunotieren.

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Phänostufen Blüte

  • Blühbeginn (BBCH 61) Die ersten Staubbeutel (=Antheren) hängen aus der Blüte heraus und stäuben. Ob schon Pollen abgegeben werden, kann durch Schnipp mit dem Finger leicht eruiert werden. Hier der Blühbeginn z.B. beim Wiesen-Knäuelgras:

    Wiesen-Knäuelgras   Wiesen-Knäuelgras

  • Vollblüte (BBCH 65) 50% der Staubgefäße sind reif. Somit sind etwa die Hälfte aller Ährchen gespreizt (besonders gut beim Glatt- und Goldhafer bzw. Wiesen-Knäuelgras und Honiggras zu erkennen; nicht so gut erkennbar bei der Aufrechten Trespe und dem Wiesen-Schwingel)

    Wiesen-Knäuelgras   Wiesen-Knäuelgras

Was bei der Gräserblüte noch wichtig ist


BlühendeOftmals ist es im Gelände gar nicht leicht festzustellen, ob die Gräser schon geblüht haben oder noch vor der Blüte stehen. Hierbei helfen eigentlich nur etwas Erfahrung und spitze Fingernägel.

Wenn die Hüll- und Deckspelzen der Ährchen geschlossen sind, und wie auf dem nebenstehenden Bild wenige eingetrocknete Staubbeutel zu sehen sind, ist es gar nicht leicht zu erkennen, ob das Gras schon geblüht hat oder nicht.




Tipp: Greifen Sie sich mehrere Ährchen und öffnen Sie diese vorsichtig unter Benutzung Ihrer Fingernägel. Sind die Staubbeutel noch zu sehen, kann man für gewöhnlich davon ausgehen, dass die Blüte noch bevorsteht. Kommt beim Öffnen der Ährchen bereits "Milchsaft" zum Vorschein, ist die Blüte in der Regel bereits vorbei.

Blühte Blühte

Natürlich gibt es neben den männlichen Blüten (das sind die besprochenen Staubgefäße) bei den meisten Arten auch weibliche Blütenstände (die Narben). Bei vielen Grasarten sind die Narbenäste als seitlich heraustretende weiße "Federbüsche" zu erkennen.

Blühende Blühende

Wenn die Pollen ausgestreut sind, trocknen die Staubgefäße nach und nach ein und verbraunen. Das geht jedoch nicht auf einen Schlag. Oftmals kann man verschiedene Zustände von Staubbeuteln auf ein und demselben Individuum beobachten.

Irgendwann ist dann wirklich Schluß mit Blühen und alle Staubbeutel trocknen ein. Beim Wiesen-Knäuelgras erfolgt der Farbumschlag vielfach ins violett-bräunliche.


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Wie geht es nach der Blüte der Gräser weiter ?

BlühendeNach der Blüte reifen die Früchte heran. Nur wie lange es bis zum Ausfall der Samen andauert, und ob dies überall gleich schnell erfolgt, ist bei weitem nicht bei allen Grasarten dokumentiert. Ein Grund mehr für phänologisches Engagement. Wie es kurz nach der Blüte mit der phänologischen Entwicklung weitergeht, sollen nachfolgende Bilder ein wenig anschaulicher machen.

Das Bild rechts zeigt die phänologische Stufe der Samenreife mit beginnender Vergilbung der Ähre


Blühte Blühte

Die Samen sind bereits ausgefallen und die Halmverbraunung schreitet von der Ährenspitze zum Halmgrund nach und nach fort. Oftmals vor allem im Schräglicht wunderschön anzuschauen.


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Wieviel Zeit vergeht zwischen dem Eintritt der einzelnen Phänostufen ?

Die Zeitintervalle können je nach Grasart, Standort und Witterungsverlauf mehr oder weniger lang andauern. Als Ergebnis hat für die Arten Wiesen-Knäuelgras, Glatthafer, Wiesen-Goldhafer und Wiesen-Schwingel im Jahr 2006 folgendes herauskristallisiert:

Zeitintervalle Mittelwerte zu Zeitintervallen zwischen beobachteten Phänostufen


Eine Ausnahme macht die Aufrechte Trespe. Sie erreicht als erste der beobachteten Grasarten die Phänostufe des Ährenschiebens / Rispenschiebens. Dann verharrt sie mehr als doppelt so lange wie alle übrigen Grasarten in den Stadien des Ährenschiebens / Rispenschiebens. Während alle anderen Arten eineinhalb bis zwei Wochen in dieser Stufe verbleiben, benötigt die Aufrechte Trespe mehr als drei Wochen, um die Blühbereitschaft zu erlangen, und mit der Blüte zu beginnen. Zur Vollblüte hin verschleifen sich diese Unterschiede mehr und mehr. So gelangen alle 6 Arten inklusive der Aufrechten Trespe mehr oder weniger zur selben Zeit zur Vollblüte.

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Was soll ich alles zu einer Beobachtung dokumentieren?

Grasart:
z.B. Wiesen-Knäuelgras, ob man wissenschaftliche oder deutsche Namen einträgt, ist Geschmacksache, auch Abkürzungen sind dienlich.

Phänostufe und Datum:
z.B. Phänostufe "Vollblüte" sowie Tag, Monat und Jahr der Beobachtung

Lage des Beobachtungsstandortes:
Zumindest Einträge in einer Karte sind sinnvoll, um den Standort wieder leicht auffinden zu können. Koordinaten können aus der Karte oder dem GPS ausgelesen werden.

Seehöhe, Exposition, Anmerkungen:
Notieren Sie, wann immer möglich, Seehöhe und Exposition der Aufnahmefläche (z.B. Süden). Anmerkungen sollten in einer extra Spalte eingetragen werden.

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Wie kann ich meine Geländebeobachtungen am besten verwalten?

Wie Sie ihre Papier-Notizen aufbewahren, wissen Sie selbst am besten. Wenn man die Beobachtungen elektronisch speichern möchte, erstellt man am einfachsten eine Tabelle im Format MS Excel oder ähnlichen Programmen. Eine elegantere Lösung, bei der man von Beobachtungen anderer Phänologen profitieren kann, besteht in der Eingabe Ihrer Sichtungen in unserer Beobachterplattform unter Meldungen. Hier bieten sich zahlreiche Auswertemöglichkeiten, man kann Stationen und Beobachtungen in Karten anzeigen lassen oder Erfahrungen und Fragen im Zum Seitenbeginn

Welche Ausrüstung sollte ich bei mir haben?

Alles was Sie brauchen, passt in die Hosentasche oder in einen kleinen Rucksack. Schreibblock, Stift und Karte sind die klassischen Utensilien eines Phänologen. Sollten Unklarheiten bezüglich der angetroffenen Artzugehörigkeit auftauchen, hilft ein handliches Bestimmungsbuch. Bewährt hat sich natürlich der Einsatz von GPS Geräten zur Standortsbestimmung, ein Punkteintrag in einer kopierten Wanderkarte mit Angabe des Codes zur Beobachtungsstation reicht für´s erste aber auch aus. Wenn Sie eine Digitalkamera verwenden, können Sie ihre Beobachtungen nicht nur bildlich festhalten, sondern auch elegant am Computer verwalten oder im Inernet herzeigen.

Tipp: Sollten Sie an die Anschaffung eines GPS Gerätes denken, empfehlen wir nachfolgendes Buch. Hier finden sowohl Neueinsteiger als auch Kenner der Materie jede Menge gut aufbereiteter Zusammenhänge und Empfehlungen für Kauf und Anwendung.
http://www.bruckmann-verlag.de/programm.asp?path=detail&prodid=4252&navCatID=2683
Zur Wahl einer Digitalkamera eignen sich vor allem kompakte Modelle "für die Hosentasche" mit guter Makrofunktion. Im besten Fall sollten sie wasser- und staubresident sein.

Tipp: Die Verwendung von Bleistift anstatt Kugelschreiber hat sich im Gelände bewährt. Vor allem bei feuchten Witterungsbedingungen werden sie erkennen, warum ! Ein ultimatives Schreibwerkzeug finden sie z.B. unter http://www.naturbegleiter.at/tipps.php.

Zeitintervalle

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Wann ist der richtige Zeitpunkt für Beobachtungen?

Der richtige Zeitpunkt hängt natürlich davon ab, wo in Österreich man seine Beobachtungen machen möchte. Damit man weiß, ob sich ein Ausflug auch lohnen wird, helfen phänologische Karten weiter. Wie unter Phänokarten abgebildet, erhält man durch diese grafischen Übersichten einen guten Eindruck, in welchen Lagen an welchem Datum mit dem Eintreten eines phänologischen Ereignisses zu rechnen ist.


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        Österreichisches Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung        Technisches Büro für Landschaftsplanung - Consulting     STIPA, Büro für Planung & Beratung in angewandter Ökologie

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